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Reformierte Kirche

Reformierte Kirche

Die Reformierte Kirche (Reformierter Bund, gelegentlich auch Evangelisch-Reformierte Kirche) ist eine vor allem auf das reformatorische Wirken von Huldrych Zwingli in Zürich und Johannes Calvin in Genf zurück gehende Kirche.

1522: Fastenbrechen als "Urdatum"

"Urdatum" ist das Wurstessen bei dem Züricher Bürger Christoph Froschauer, einem Druckereibesitzer, an Invokavit 1522 (9. März), also dem ersten Sonntag der vorösterlichen Fastenzeit. Zwingli soll an dem Wurstessen zwar nicht teilgenommen haben, aber anwesend gewesen sein. Als Priester verteidigte er den Fastenbruch: Das Fastengebot sei ein menschliches Gesetz und deshalb nicht unbedingt gültig. Nur göttlichen Gesetzen müsse der Mensch unbedingten Gehorsam leisten. Die göttlichen Gesetze aber findet Zwingli in der Bibel (zum Ganzen vgl. den folgenden Link [http://www.zwingli.ch/a-z/wurst.htm]). :Die Invokavit-Woche 1522 stellt zugleich auch für die lutherische Reformation ein wichtiges Datum dar. Luther hielt in dieser Woche seine berühmt gewordenen "Invokavitpredigten", in denen er sich mit Bildersturm und radikalen Wendungen der Reformation in Wittenberg auseinandersetzte.

1529: Marburger Religionsgespräche

Ein Zusammenschluss mit dem lutherischen Zweig der Reformation gelang nicht, vor allem weil in der Abendmahlsfrage keine Einigung erzielt werden konnte (Marburger Religionsgespräch 1529 zwischen Luther und Zwingli). Luther hielt an der wirklichen Gegenwart (Realpräsenz) von Leib und Blut Christi in den Gestalten des Mahls fest.

1563: Heidelberger Katechismus

Das wichtigste reformierte Dokument des 16. Jahrhunderts in Deutschland stellt der Heidelberger Katechismus dar. Zugleich dokumentiert dieser Katechismus die innerreformierte Spaltung: Während sich im Gefolge von Zwinglis Theologie in Zürich, Bern, Basel und anderen Orten eine sehr enge Verzahnung von politischer und geistlicher Führung herausbildete, arbeitete Calvin in seiner Institutio eine biblisch begründete Kirchenordnung heraus, die die Ämter von Presbyter und Pfarrer als Gemeindeleitung sowie daneben die Ämter des Diakons und des Lehrers kennt; zudem wird die Kirchenzucht betont, die den Presbytern obliegt ([http://www.ubf-net.de/heidelberg/hdkat/hdkat2f.htm#82 Heidelberger Katechismus Frage 82-85]; bedeutende Folgen bei Paul Schneider).

Ausbreitung

Während sich in den deutschen und niederländischen Gebieten die Genfer Richtung durchsetzte, war Bullinger mit seinen Bemühungen in England mehr Erfolg beschieden. - Das Waadtland nahm eine Zwischenstellung ein. Die Reformation in diesem Berner Untertanengebiet wurde von Bern und Zürich her angestoßen; später geriet es aber - als vor allem französischsprachiges Territiorium - unter starken Genfer Einfluss. So behielt es zwar im Wesentlichen die zwinglische Theologie bei, führte aber unter Genfer Druck das calvinische Kirchenmodell ein. Reformierte Kirchen und Gemeinden sind heute außer in der Schweiz vor allem in den Niederlanden und in Schottland verbreitet, in Deutschland auf dem Hunsrück, am Niederrhein, im Bergischen Land wie z.B. in Wuppertal, im Siegerland, in Nordwestdeutschland (vor allem Grafschaft Bentheim und Ostfriesland), im Ravensberger Land, an der Plesse, in Bayern (siehe Evangelisch-reformierte Kirche - Synode evangelisch-reformierter Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland) und in Lippe (siehe Lippische Landeskirche). Ihr äußeres Charakteristikum ist in vielen Fällen die Sparsamkeit der Kirchenausstattung, liturgisch fällt die Vorrangstellung des Wortes auf; so kannte der Gottesdienst in Zürich zur Zeit Zwinglis keine Gesänge, Calvin führte den Psalmengesang ein, was zum weit verbreiteten "Genfer Psalter", einer Sammlung von Nachdichtungen der biblischen Psalmen, führte. In Sachsen wurde 1601 der ehemalige Kanzler Nikolaus Krell als des Kryptokalvinismus Beschuldigter auf Betreiben der sächsischen Kurfürstin-Witwe Sophie von Brandenburg hingerichtet. Sein Ziel war eine europäische Union aller Protestanten und die Beendigung des Bruderkrieges zwischen den beiden Kirchen der Reformation, der "lutherischen" und der "reformierten" Kirche. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es in Deutschland (Preußen) – dessen Herrscherhaus, die Hohenzollern, reformierten und dessen Bevölkerungsmehrheit lutherischen Glaubens war – und anderen Teilen der Welt zahlreiche Kirchenunionen unter Beteiligung reformierter Kirchen und Gemeinden. In der Leuenberger Konkordie von 1973 wird erklärt, dass und inwiefern der innerprotestantische Dissens in der Abendmahlslehre nicht mehr kirchentrennend sei. Zu den reformierte Kirchen gehören auch Presbyterianer und Kongregationalisten. Besonders bedeutende reformierte Theologen des 16. Jahrhunderts waren: Zürcher Richtung:
- Ulrich Zwingli
- Heinrich Bullinger Genfer Richtung:
- Johannes Calvin
- Theodor Beza
- Guillaume Farel (auch: Wilhelm Farel) Schottland:
- John Knox

Lehre

der Mensch ist von Natur aus ein Sünder und kann nur durch Jesus Christus errettet werden. Man soll eigenes Glück nicht völlig vor Gott stellen. Nur die Heilige Schrift und der Katechismus sind als Gottes Wort zu verstehen. Alles was nicht in der Bibel steht ist nicht Gottes Wort.

Weblinks

Internationale Seiten


- [http://www.warc.ch/de/index.html Reformierter Weltbund]
- [http://www.reformiert-online.net Reformiertes Internetportal für den deutschsprachigen Raum]
- [http://www.reformed.org was "reformiert historisch wirklich bedeutet]
- [http://www.berg-giessen.de ausgezeichnete reformierte Theologie]

Deutschland


- [http://www.reformierter-bund.de Reformierter Bund (Deutschland)]
- [http://www.altreformiert.de Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen]
- [http://www.reformiert.de Evangelisch-reformierte Kirche (Synode evangelisch-reformierter Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland)]
- [http://www.lippische-landeskirche.de Lippische Landeskirche]
- [http://www.berg-giessen.de Bekennende Evangelisch-reformierte Gemeinde Giessen]

Österreich


- [http://www.reformiertekirche.at Evangelische Kirche H.B. in Österreich]
- [http://www.reformed.org Was "reformiert" wirklich bedeuted]

Schweiz


- [http://www.ref.ch Evangelisch-reformierte Kirchen der Schweiz]
- [http://www.sek-feps.ch Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund] !

Ulrich Zwingli

Ulrich Zwingli (
- 1. Januar 1484 in Wildhaus/Schweiz; gefallen im Zweiten Kappelerkrieg 11. Oktober 1531 in Kappel am Albis/Schweiz) ist der Zürcher Reformator. Aus der Zürcher Reformation und der Genfer Reformation ging die reformierte Kirche hervor. reformierte Kirche Im Gegensatz zu manch volkstümlichen Annahmen lautet sein Taufname "Ulrich" (im Gedenken an den Heiligen Ulrich von Augsburg). Erst mit der Zeit begann Zwingli selbst, seinen Vornamen zu Huldrych ("Huldreich") zu verändern; dies wohl als humanistisch-volksetymologische Spielerei (Ulrich kommt von althochdeutsch uodal "Erbbesitz" + rich "mächtig"). Erst nach seinem Tode wurde "Huldrych" bei Reformierten anstelle des als katholisch unbrauchbar gewordenen Heiligennamens "Ulrich" populär. Seine Theologie wurde in der zweiten Generation von Heinrich Bullinger und Johannes Calvin weitergetragen.

Werdegang

Familie

Ulrich war das dritte Kind seiner Eltern Johann Ulrich und Maria Bruggmann, welche insgesamt elf Kinder hatten.

Ausbildung

Zwingli wuchs bei einem Onkel, der Priester des Bistums Konstanz war, gemeinsam mit dessen Kindern und seiner Konkubine auf. Zum Studium der septem artes liberales (die "sieben freien Künste", die jedem Studium der Theologie, Jurisprudenz und Medizin vorausgingen) ging er nach Bern sowie Wien und brachte es zu einem ausgezeichneten Humanisten, absolvierte dann ab 1502 das theologische Studium zu Basel als Schüler von Thomas Wyttenbach.

Priesterlicher Dienst

Glarus

1506 wurde Zwingli Pfarrer in Glarus. Als solcher nahm er an den Feldzügen der Glarner für den Papst gegen die Franzosen in der Lombardei 1512-1515 teil, wofür er bis 1517 vom Papst eine Pension von 50 Gulden jährlich bezog. Er beschäftigte sich mit humanistischen Studien und dann intensiv mit dem eben erschienenen griechischen Neuen Testament des Erasmus von Rotterdam, wobei er zum Schluss kam, dass die Lehre der Kirche in manchen Dingen nicht mit dem Neuen Testament übereinstimmte. Mit Erasmus verband ihn darüber hinaus die Ablehnung des Krieges.

Einsiedeln

1516 berief ihn Diebold v. Geroldseck als Prediger in das durch Wallfahrten berühmte Kloster Maria-Einsiedeln. Auf solche Weise auf den Schauplatz des krassesten Aberglaubens versetzt, fing er bald an, wider Wallfahrten und andre Missbräuche, und wider den seit 1518 in der Schweiz wirkenden päpstlichen Ablasskrämer Bernardin Samson zu predigen. Er forderte sogar die Bischöfe zu Sitten und Konstanz auf, die Kirche nach Anleitung des göttlichen Wortes zu verbessern. Zu gleicher Zeit trat er aber auch aufgrund seiner Erfahrungen beim Italienfeldzug gegen die Demoralisation des Volkes durch das Reislaufen an, wie die Kriegsdienste der Schweizer im Sold Frankreichs, Mailands und die Schweizergarde des Papstes bezeichnet wurden. Als Konsequenz seiner Beteiligung am Krieg in der Lombardei übernahm er Erasmus' Überzeugung: "Der Krieg erscheint den Unkundigen als süss." (Dulce bellum inexpertis.)

Zürich

Da die Zürcher Regierung ebenfalls gegen das Söldnerwesen war, verschaffte ihm diese Haltung das einflussreiche Amt als Leutpriester am Grossmünster in Zürich, das er am 1. Januar 1519 antrat. In seinen kunstlosen, aber klaren, allgemein verständlichen Predigten legte er fortlaufend die Evangelien aus. Das Volk und der Rat von Zürich liessen sich davon überzeugen. Sämtliche Prediger in Stadt und Land wurden 1520 von der Obrigkeit angewiesen, dem Evangelium gemäss zu predigen. 1522 veröffentlichte Zwingli seine erste reformatorische Schrift gegen das Fasten der römischen Kirche. "Von Erkiesen und Freiheit der Speisen". Dieses Werk schrieb er aus Anlass des Fastenbrechens eines Freundes. Zwingli selbst war beim "Wurstessen" anwesend, aber nicht beteiligt. Mit der Schrift rechtfertigte er das Handeln, da das Fastenhalten gegen den christlichen Glauben verstosse. An den Bischof von Konstanz sandte er ein ebenso bescheidenes wie nachdrückliches Bittschreiben, in welchem er und zehn seiner Genossen erklärten, dass sie "mit Gott fest entschlossen seien, das Evangelium ohne Unterlass zu predigen" und in dem sie um Aufhebung der Zölibatsgesetze nachsuchten. Damals bemühte sich Papst Hadrian VI., Zwingli durch einen die Frömmigkeit des Reformators anerkennenden Brief von weiteren Schritten gegen die katholische Kirche abzuhalten. Als die Dominikaner in Zürich Zwingli Ketzerei vorwarfen, lud der Grosse Rat alle Theologen, die Zwingli der Ketzterei überführen könnten, auf den 29. Januar 1523 zu einer Disputation (1. Zürcher Disputation) über die von Zwingli aufgestellten Thesen nach Zürich ein und es wohnten derselben circa 600 geistliche und weltliche Personen bei. Da die Abgeordneten des Bischofs, namentlich Johann Faber, gegen Zwinglis Thesen nur die Autorität der Tradition und der Konzile geltend zu machen wussten, erkannte der Rat von Zürich Zwingli den Sieg zu. Auf einem zweiten, vom 26. bis 29. Oktober 1523 gehaltenen Religionsgespräch in Zürich wurde in Gegenwart von fast 900 Zeugen aus eidgenössischen Orten über Bilderdienst und Messe gestritten. Grund für die 2. Zürcher Disputation war die Predigt gegen Bilderverehrung und einem daraus resultierenden Bildersturm. Es wurde beschlossen, dass die Bilder entfernt werden, dies aber nicht sofort geschehe, sondern innerhalb eines halben Jahres, damit das Volk durch weitere Predigten auf diesen Einschnitt vorbereitet werden könne. Dieser Bildersturm führte u.a. auch zum sog. Ittingersturm. Ein drittes Gespräch 13. und 14. Januar 1524 beseitigte auch die Messe. Noch im selben Jahr, am 19. April 1524 verheiratete sich Zwingli mit der 33jährigen Witwe Anna Meyer, geborene Reinhard, mit der er schon vorher unehelich zusammengelebt hatte. Die Reformation in Zürich betraf nicht nur die Religion. Der Rat, unter Beratung Zwinglis, ordnete Schul-, Kirchen- und Ehewesen neu und gab Sittengesetze heraus. Zwingli hatte kein politisches Amt, aber grossen Einfluss - der Rat wusste, dass das Volk auf Zwinglis Predigten hörte. 1525 gab Zwingli sein Glaubensbekenntnis Von der wahren und falschen Religion heraus, das er dem König Franz I. von Frankreich schickte. Mit Luther und den anderen deutschen Reformatoren in vielen Punkten einig, verfuhr Zwingli doch in liturgischer Beziehung radikaler und verwarf die leibliche Gegenwart Christi im Abendmahl. Ab 1525 waren die Reformation und die Reform des Gottesdienstes in Zürich abgeschlossen. Es wurde das Abendmahl in beiderlei Gestalt in Gedächtnis gefeiert. Die Bilder, Messen und das Zölibat waren abgeschafft und es gab eine geregelte Armenfürsorge. Diese finanzierte sich aus Geldern, die durch die Säkularisation von Klöstern u.ä. frei wurden. Ebenfalls wurde 1525 die Propstei am Grossmünster gegründet. Dies war eine Art Ausbildungsstätte für angehende Theologen. Sie mussten Bibelexegese lernen und die gewonnenen Ergebnisse in deutschen Predigten dem Volk vortragen. Dadurch wurden die Theologen geschult und das Volk sollte in der Bibel verwurzelt werden. Zwingli war als Antistes der Leiter der Zürcher Kirche. Zwingli sah Kirche und Staat in enger Zusammenarbeit und darin für die Obrigkeiten eine ernste Verpflichtung. Er erklärte, dass die Obrigkeit, welche ausser der Schnur Christi fahren, das heisst die Vorschriften Christi sich nicht zum Massstab nehmen wolle, mit Gott entsetzt werden möge. Auf den vom Landgrafen von Hessen, Philipp dem Grossmütigen, welcher Zwinglis weittragende politische Ansichten teilte, im Oktober 1529 zur Beilegung des Abendmahlsstreites zu Marburg im Schloss veranstalteten Marburger Religionsgesprächen wurde Zwingli von Luther schroff zurückgestossen, und der Plan einer gemeinsamen protestantischen Unternehmung gegen Kaiser und Papst scheiterte an theologischen Differenzen. Doch immer kühner wurden die Pläne der beiden innig verbundenen Freunde, des Landgrafen und Zwinglis. Dieser begeisterte 1530 jenen für den fast überkühnen Plan, durch einen Bund von der Adria bis zum Belt und zum Ozean die Welt aus der Umklammerung des Habsburgers zu retten. Damals hatte Zwingli schon im Januar 1528 bei einem Religionsgespräch zu Bern auch diesen Kanton für die Reformation gewonnen. Aber nachdem durch den ersten Kappeler Frieden 1529 die drohende Gefahr eines Glaubenskriegs zwischen Zürich und den fünf katholischen Urkantonen (freilich gegen Zwinglis Wunsch, der diese mit Gewalt der Waffen dem Evangelium öffnen wollte) beseitigt schien, kam es doch 1531 zum zweiten Kappelerkrieg zwischen Zürich und den katholischen Kantonen Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug. In enger Zusammenarbeit mit Leo Jud übersetzte Zwingli zwischen 1524 und 1529 die Bibel. Diese Übersetzung ist heute als die "Zürcher Bibel" bekannt. Am 11. Oktober 1531 unterlagen die Zürcher bei Kappel und Zwingli selbst fand auf dem Schlachtfeld seinen Tod. Am folgenden Tag schleppte man den Leichnam zum Scheiterhaufen und streute die Asche in den Wind. Erst 1838 wurde ihm in Kappel und 1885 in Zürich ein Denkmal errichtet. Zwingli besass einen scharfen Sinn für das Praktische, der ihn zu politischen Überlegungen befähigte. In die kirchliche Arbeit etwa mit der Prophezei, einer Art Volkshochschule, bezog er Laien ein. Als Schattenseite seines Wirkens muss hingegen sein Verhältnis zur Täuferbewegung angesehen werden. Erst in jüngster Zeit (2004) fand eine versöhnende Versammlung zwischen Zürcher Reformierten und den Täufern statt. Zwinglis Reformation ging von anderen Voraussetzungen aus und hatte, bei vielen Gemeinsamkeiten mit Luther, auch deutliche Unterschiede zu diesem. Während Luther Missstände in der Kirche, die seinem Verständnis der Bibel widersprachen entfernen wollte (z.B. den Ablasshandel), akzeptierte Zwingli in der Kirche nur das, was ausdrücklich in der Bibel stand. Von daher sind die reformierten Kirchen noch ausgeprägter als die lutherischen, Kirchen des Wortes: kein Kirchenschmuck ausser Bibelsprüchen, keine Glaubensbekenntnisse, Liturgie ist nur das, was in der Bibel steht, sogar auf Musik im Gottesdienst wurde eine Zeit lang verzichtet - obwohl Zwingli selbst sehr musikalisch war. Heinrich Bullinger wurde Zwinglis Nachfolger in Zürich.

Wirkungen

Auswirkungen der Theologie Ulrich Zwinglis sind vor allem in der deutschsprachigen Schweiz sowie im Waadtland festzustellen. Der Erfolg der Reformation ist dabei nicht ohne weitere Persönlichkeiten wie Johannes Oekolampad und Oswald Myconius in Basel, Berchtold Haller in Bern, Sebastian Hofmeister und Erasmus Ritter in Schaffhausen, Joachim Vadian und Johannes Kessler in St. Gallen und Johann Comander in Graubünden denkbar. In Deutschland gehen nur die reformierten Kirchen in Grönenbach und Herbishofen auf Zwinglis Wirken zurück. Die übrigen reformierten Kirchen sind - wie sich am Heidelberger Katechismus ablesen lässt - stärker von Calvins Denken beeinflusst.

Werke


- Von Erkiesen und Freiheit der Speisen (April 1522)
- Commentarius de vera et falsa religione (1525)
- Amica exegesis (1527)
- Fidei ratio (Juli 1530)
- Sermonis de providentia Dei anamenema (August 1530)
- Christianae fidei brevis et clara expositio ad regem christianum (Juli 1531)
- Zwinglis "Sämtliche Werke" erschienen zuerst in Folio (Zürich 1545 u. 1581), erneut herausgegeben von Schuler und Schultheß (Zürich 1828-42, 8 Bde.; dazu Supplemente 1861).
- Huldreich Zwinglis sämtliche Werke. Einzig vollständige Ausgabe der Werke Zwinglis, unter Mitw. d. Zwingli-Vereins in Zürich hrsg. von Emil Egli, Berlin-Leipzig-Zürich 1905 ff. (Corpus reformatorum 88-101) (noch unvollständig)
- Auswahlausgabe: Ernst Saxer: Ausgewählte Schriften in neuhochdeutscher Wiedergabe mit einer historisch-biographischen Einführung, Neukirchen-Vluyn 1988

Literatur


- Basis für alle älteren Biographien ist:
Myconius, Oswald: Narrationem de vita et obitu Zwinglii; Zürich 1532
neu herausgegeben von Rüsch, Ernst Gerhard: Vom Leben und Sterben Huldrych Zwinglis (dt.-lat.); St. Gallen: Fehr 1979
- Gäbler, Ulrich: Huldrych Zwingli. Eine Einführung in sein Leben und sein Werk; München: Beck, 1983; ISBN 3-406-09594-1 (kt.) bzw. ISBN 3-406-09593-3 (Ln.) (= Berlin: Evangelische Verlagsanstalt, 1985); 3. Auflage: Zürich: TVZ, 32004; ISBN 3-290-17300-3
- Hamm, Berndt: Zwinglis Reformation der Freiheit; Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 1988; ISBN 3-7887-1276-7
- Locher, Gottfried Wilhelm: Huldrych Zwingli; in: Greschat, Martin (Hg.): Gestalten der Kirchengeschichte, Bd. 5: Die Reformationszeit I, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz: Kohlhammer, 21994; S. 187-216; ISBN 3-17-013695-X (Gesamtausgabe)

Weblinks


- [http://www.zwingli.ch Zwingli-Seite des Kirchlichen Informationsdienstes der Ev.-ref. Landeskirche des Kantons Zürich]
- [http://zh.ref.ch/staat/geschichte/zwingli.htm Zwingli: Staat als weltliche Form des Gottesvolkes]
- [http://www.glaubensstimme.de/reformatoren/zwingli Texte von Zwingli]
- Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich als:Zwingli ja:フルドリッヒ・ツヴィングリ ko:울리히 츠빙글리

Johannes Calvin

Johannes Calvin, eigentlich Jean Cauvin (
- 10. Juli 1509 in Noyon, Picardie; † 27. Mai 1564 in Genf), war ein Schweizer Reformator französischer Abstammung und Begründer des Calvinismus. Johannes Calvin war der Sohn des Generalprokurators des Domkapitels zu Noyon. Er studierte in Paris Rechtslehre, wo er 1533 mit den reformatorischen Lehren Martin Luthers in Berührung kam. Wegen seiner Bekehrung zum Protestantismus musste er Frankreich 1534 verlassen. Er predigte heimlich die neuen Lehren, entkam nur knapp einer Verhaftung, war immer wieder auf der Flucht und unternahm Reisen in die Schweiz und nach Italien. Auf seiner Flucht kam er 1535 nach Basel, wo er zum ersten mal auf Heinrich Bullinger und Guillaume Farel traf. 1536 gab er in Basel seine Christianae Religionis Institutio (dt. "Unterricht in der christlichen Religion") heraus. Im gleichen Jahr hielt ihn auf einer seiner Durchreisen der Prediger Guillaume Farel in Genf fest und beschwor ihn, sich dort für die Sache der Reformation einzusetzen. Er erarbeitete eine Gemeindeordnung mit strenger Kirchenzucht, die auf heftige Widerstände stieß. 1538 wurden er und Farel aus Genf verwiesen, da sie der gesamten Gemeinde das Abendmahl versagten. Dies war eine Protestaktion der beiden als Reaktion auf die Tatsache, dass der Genfer Rat einige Riten und Bräuche (z.B. die Verwendung des Taufbeckens oder der Hostie bei der Abendmahlsfeier) einführen wollte, um damit der verbündeten Stadt Bern zu gefallen. In Folge kam Calvin 1536 nach Straßburg, wo er eine biblische Professur inne hatte und die französische Flüchtlingsgemeinde betreute. Durch Kontakt mit dem dort ansässigen Martin Bucer wurde Calvin in seiner Theologie geprägt - so z.B. in der Prädestinationslehre, im Abendmahlsverständnis und in der 4-Ämter-Lehre. 1541 holte man Calvin jedoch zurück nach Genf, nachdem er einen Antwortbrief an den katholischen Bischof geschrieben hatte. In diesem zeigte sich Calvin aufs tiefste mit Genf verbunden. Der Bischof wollte die Genfer Gemeinde überreden wieder zum katholischen Glauben zurückzukehren. Der Rat wusste darauf nicht zu antworten und bat Calvin dies zu tun. Beeindruckt von diesem Brief rief der Rat Calvin nach Genf zurück, und versprach ihm, diesmal seine Kirchenordnung und strenge Kirchenzucht einzuführen. Im selben Jahr noch schuf er eine neue kirchliche Ordnung. Er verfasste den Genfer Katechismus. Seine Arbeit wurde nach und nach allgemein anerkannt, wobei er bis 1555 stark umstritten war. Aber selbst danach war er zwar kirchlich äußerst einflussreich, aber nicht an der politischen Macht beteiligt. Deshalb ist die Verfolgung der Häretiker im calvinistischen Genf, die entweder aus Genf ausgewiesen oder hingerichtet wurden, nicht allein Calvin anzulasten. So spielten beim bekanntesten Opfer, dem Wissenschaftler und Theologen Michael Servetus, der 1553 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, eine ganze Reihe von Gründen eine Rolle für dessen Verurteilung. U.A. fürchteten die weltlichen Behörden von Genf politische Schwierigkeiten, wenn sie ein nicht-trinitarisches Bekenntnis zugelassen hätten. Deshalb drangen sie auf Härte. Calvin selbst war hier wenigstens etwas milder und sprach sich statt für die Verbrennung für die Enthauptung aus, konnte sich aber nicht durchsetzen. Gerade weil Calvins Macht in Genf letztendlich sehr begrenzt war, ist das von Zweig geprägte Bild stark legendär. 1559 gründete Calvin die Genfer Akademie, die zur Hochschule des Calvinismus wurde. Nach jahrelanger Krankheit starb er 1564 in Genf. Calvins Lehre beinhaltete auch den zentralen Punkt, die Menschen könnten an ihrer Fähigkeit zu strengster Pflichterfüllung sehen, ob sie zum Heil vorausbestimmt seien. Obwohl Calvin mit dieser seiner Prädestinationslehre eigentlich die Allmacht Gottes und Bedeutungslosigkeit des menschlichen Willens betonte, führte sie in Verbindung mit der strengen Moral, die Calvin in Genf einführte, zu jenem Arbeitsethos, das die Grundlage für das Gewinnstreben im Kapitalismus bildete. Die auf den ersten Blick überraschenden und nicht eben geradlinigen Zusammenhänge wurden erst 1904 vom deutschen Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen Max Weber (1864 - 1920) entdeckt, sind aber heute kaum noch umstritten. Eine Statue von Johannes Calvin steht am Genfer Reformationsdenkmal.

Calvin und die Hexenprozesse

Genfer Reformationsdenkmal Genau wie Luther befürwortete Calvin vehement die Verfolgung der Hexen und deren Hinrichtung. Johannes Calvin rief in wörtlicher Befolgung alttestamentlicher Aussagen dazu auf, „Hexen“ aufzuspüren und gnadenlos „auszurotten“. Er forderte die unerbittliche Verfolgung und Vernichtung von Feinden Gottes, damit auch der Hexen. Unter Berufung auf die Bibelstelle Exodus 22, 17 erklärte Calvin, Gott selbst habe die Todesstrafe für Hexen festgesetzt. In seinen Predigten über das erste Buch Samuel tadelte er darum jene, welche die Verbrennung der Hexen ablehnen, und wollte sie als Verächter des göttlichen Wortes aus der Gesellschaft ausstoßen. Wer sich gegen die Hinrichtung der Hexen auszusprechen wagte, setzte sich der Gefahr schwerster Verfolgungen, des Bannes oder Todes aus. Calvin glaubte, dass drei Jahre lang Männer und Frauen in Genf durch Zauberkünste die Pest ausbreiteten und hielt alle ihnen durch die Folter abgepressten Selbstanschuldigungen für wahr, nachträglichen Widerruf für unwahr. 1545 wurden innerhalb weniger Monate 34 Unglückliche nach entsetzlichen Martern vor allen Häusern, die sie angeblich mit Pest behext hatten, verbrannt. Der deutsche calvinistische Pfarrer Anton Praetorius wandte sich 1602 mit seinem Buch "Von Zauberey vnd Zauberern Gründlicher Bericht" mit Argumenten aus der Bibel vehement gegen Calvins und Luthers Aufruf zur Verbrennung der Hexen und forderte die Abschaffung der Folter.

Literatur


- Oskar Pfister: Das Christentum und die Angst, Zürich 1945
- Oskar Pfister: Calvins Eingreifen in die Hexer- und Hexenprozesse von Peney 1545 nach seiner Bedeutung für Geschichte und Gegenwart, Zürich 1947
- Jörg Haustein: Martin Luthers Stellung zum Zauber- und Hexenwesen, Dissertation, 1990
- Alister McGrath: A Life of John Calvin
- Stefan Zweig: Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt (1936)

Weblinks


-
- [http://www.efb.ch/Texte/adcalv1.htm Johannes Calvin (1509-1564)]
- [http://www.glaubensstimme.de/reformatoren/calvin Texte von Johannes Calvin]
- [http://www.litlinks.it/cx/calvin.htm Texte im Internet]
- [http://www.lebensquellen.de LebensQuellen - Kalvinismus Heute (ein kalvinistischer Blog] Calvin, Johannes Calvin, Johannes Calvin, Johannes Calvin, Johannes Calvin, Johannes Calvin, Johannes Calvin, Johannes Calvin, Johannes ja:ジャン・カルヴァン ko:장 칼뱅

Genf

Genf (franz.: Genève) ist die zweitgrösste Stadt der Schweiz. Sie liegt am südwestlichen Rand der französischsprachigen Schweiz am Ausfluss der Rhône aus dem Genfersee. Genf ist Sitz vieler internationaler Organisationen, u.a. UNO, CERN, IKRK, WHO, IAO, ITU, WIPO, WMO, WOSM und des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen UNHCR. Einwohner: 184'758 (Ende 2003), davon ca. 44 % Nichtschweizer.
Agglomeration Genf: 640'000 Einwohner (2000).

Geschichte


- in der Keltenzeit Hauptstadt der Allobroger
- in der Römerzeit Brückenkopf
- ca. 400-1536 Bischofssitz
- im 5. und 9. Jh. Sitz der burgundischen Könige, siehe dazu Burgund und Burgunder (Volk)
- 1026 1033? Genf gehört zum burgundischen Reichsteil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation
- Genf wird ein bischöfliches Territorium innerhalb des HRR
- 1526 Städtebund mit Bern und Freiburg im Üchtland
- 1536 Reformation und Ausrufung der unabhängigen Genfer Republik. Genf wird zugewandter Ort der Schweizerischen Eidgenossenschaft
- 1559 Gründung der Akademie durch Johannes Calvin
- 1781 Bürgertum und Arbeiterschaft erringen die Vorherrschaft, Annahme einer repräsentativ-demokratischen Verfassung
- 1782 Mit Hilfe bernisch-savoyischer Truppen ergreift das Patriziat erneut die Macht; viele Industrielle als Exponenten des Bürgertums gehen in die Emigration
- 1798-1814 Genf wird von Frankreich annektiert
- 1815 Genf wird schweizerisch und Hauptstadt des neu gebildeten, gleichnamigen Kantons (Kanton Genf)
- 1864 Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz
- 1873 Gründung der Universität Genf
- 1920-46 Sitz des Völkerbundes Jährlich am 12. Dezember wird mit der Escalade de Genève die misslungene Eroberung durch Savoyen im Jahre 1602 gefeiert. Siehe auch: Geschichte des Kantons Genf

Sehenswürdigkeiten


- Romanisch-gotische Kathedrale St. Peter (ca. 1232 vollendet)
- Geburtshaus von Jean-Jacques Rousseau
- Rathaus (spätes 15. Jh.)
- Sitz der UNO (Völkerbundpalast, Palais des Nations), war bis 1939 Sitz des Völkerbundes (erbaut von Hannes Meyer)
- Internationales Reformationsdenkmal (1917)
- Servetus-Gedenkstein (1903)
- Englischer Garten
- Botanischer Garten
- Internationaler Autosalon
- Fontäne - Jet d'Eau
- Internationales Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum
- Jardin botanique de genève et Le Bois-de-la-Bâtie Für besondere Verdienste um den Ortsbildschutz erhielt Genf vom Schweizer Heimatschutz im Jahre 2000 den Wakkerpreis.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

siehe: Söhne und Töchter von Genf

Zeitweilige Bewohner


- Ernest Ansermet
- Louis Appia
- Théodore Agrippa d'Aubigné
- Théodore de Bèze
- Johannes Calvin
- Michel de Certeau
- Albert Cohen
- Henri Dufour
- Ubbo Emmius
- Agénor Étienne de Gasparin
- Wladímir Iljítsch Uljánow (Lenin)
- Ferdinand Hodler
- Marcel Junod
- Bénédict Turrettini
- Voltaire
- Jean Ziegler Siehe auch: :Kategorie:Genfer :Kategorie:Genfer

Wirtschaft

Verkehr

Der ÖPNV wird in der Stadt durch die TPG abgewickelt.

Internationale Verträge, die den Namen der Stadt tragen


- Genfer Abkommen
- Genfer Abrüstungskonferenz
- Genfer Konvention
- Genfer Wellenplan

Siehe auch


- Genfer Bibelgesellschaft
- Genfer Initiative
- Genfer Psalter
- Neue Genfer Übersetzung

Weblinks


- [http://www.ville-geneve.ch Offizielle Website der Stadt Genf]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D2903.html Artikel Genf (Gemeinde)] im Historischen Lexikon der Schweiz
- [http://www.salon-auto.ch Autosalon]
Bild:Genf_intl.jpg|Internationales Viertel Genf Bild:Schweiz_Genf_Jet-D'Eau.jpg|Wahrzeichen der Stadt - Jet d'Eau Bild:Schweiz_Genf_IRK-Museum.jpg|Eingang zum Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum
Kategorie:Ort in der Schweiz Kategorie:Ort im Kanton Genf Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Hauptort eines Kantons (Schweiz) Kategorie:Rotes Kreuz ja:ジュネーヴ simple:Geneva

Fastensonntag

Die christliche Fastenzeit umfasst 40 Werktage und sechs Sonntage, die fastenfrei sind: die fünf Fastensonntage und den Palmsonntag. Die Sonntage der Fastenzeit werden auch nach den Anfangsworten des Introitus (= Eingangsgebet der Messe) benannt:
- 1. Fastensonntag: Invocavit (Invocavit me = Er hat mich angerufen)
- 2. Fastensonntag: Reminiscere (Reminiscere miserationum tuarum = Denk an deine Güte)
- 3. Fastensonntag: Oculi (Oculi mei semper ad Dominum = Meine Augen schauen immer auf zum Herrn)
- 4. Fastensonntag: Laetare (Laetare, Jerusalem = Freu’ dich, Jerusalem)
- 5. Fastensonntag - Passionssonntag: Judica (Judica me, Deus = Schaff’ mir Recht, Gott), auch roter Sonntag.
- Palmsonntag Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil gab es noch eine Vorfastenzeit, deren Sonntage folgende Namen trugen:
- Septuagesimae: Circumdederunt
- Sexagesimae: Exsurge
- Quinquagesimae: Estomihi An den Sonntagen der Fastenzeit gibt es in der Messliturgie kein Gloria und kein Halleluja. Die liturgische Farbe ist Violett. An Laetare kann stattdessen Rosa verwendet werden (ein aufgehelltes Violett als Hinweis auf die nahende Osterfreude). Das Evangelische Gesangbuch, Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Niedersachsen und für die Bremische Evangelische Kirche führt die Fastenzeit als Passionszeit, die liturgische Farbe für die sechs Sonntage (Invokavit, Reminscere, Oculi, Laetare, Judika, Palmsonntag) ist violett. Kategorie:Fastenzeit

9. März

Der 9. März ist der 68. Tag des Gregorianischen Kalenders (der 69. in Schaltjahren) - somit bleiben 297 Tage bis zum Jahresende.

Ereignisse


- 1152 - Friedrich I. Barbarossa wird zum deutschen König gekrönt.
- 1847 - Im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg dringen US-amerikanische Truppen unter General Winfield Scott nahe Vera Cruz in Mexiko ein.
- 1924 - Italien annektiert Fiume.
- 1933 - Franz Ritter von Epp wird Reichskommisar für Bayern, damit haben die Nationalsozialisten auch hier die Macht übernommen.
- 1945 - Zweiter Weltkrieg: Die USA greifen Tokyo mit B-29 Bombern (Napalm) an; 80.000 Zivilisten sterben.
- 1946 - Finnland. Juho Paasikivi wird neuer Staatspräsident.
- 1963 - Afghanistan. Rücktritt von Premierminister Mohammad Daud
- 1967 - Josef Stalins Tochter Svetlana Alliluyeva setzt sich in die USA ab.
- 1982 - Irland. Sturz der Regierung von Garret Fitzgerald.
- 1991 - Bei Demonstrationen gegen Slobodan Milošević werden zwei Menschen in Belgrad getötet.
- 1994 - Erster Kriseninterventionsdienst im Rettungsdienst nimmt im deutschsprachigen Raum seinen Dienst auf.
- 1994 - Das Bundesverfassungsgericht verkündet das sog. "Cannabis" Urteil, nachdem geringe Mengen Cannabis grundsätzlich straffrei sind
- 1996 - Dr. Jorge Fernando Branco de Sampaio wird Staatspräsident in Portugal
- 1997 - Albanien. Staatspräsident Sali Berisha bildet mit den wichtigsten Parteien eine Übergangsregierung.
- 1998 - Roman Herzog bereist als erster deutscher Bundespräsident Südafrika.
- 2000 - Griechenland. Offizieller Antrag auf Teilnahme an der Wirtschafts- und Währungsunion der EU.
- 2004 - Lettland. Indulis Emsis wird neuer Ministerpräsident
- 2004 - Der Präsident des Bundesliga-Vereins 1860 München, Karl-Heinz Wildmoser wird festgenommen. Ihm wird die Annahme von 2,8 Mio Euro Bestechungsgeld im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Stadions in München vorgeworfen.

Kultur


- 1801 - Uraufführung des Liederspiels Frohsinn und Schwärmerey von Friedrich Heinrich Himmel an der Hofoper in Berlin.
- 1839 - Uraufführung der Oper Il Bravo von Saverio Mercadante am Teatro alla Scala di Milano in Mailand.
- 1849 - Uraufführung der komischen Oper Die lustigen Weiber von Windsor von Otto Nicolai am Königlichen Opernhaus in Berlin.
- 1861 - Uraufführung der Oper Bánk-Bán von Ferenc Erkel in Budapest.
- 1930 - Uraufführung der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von Kurt Weill in Leipzig
- 1984 - Die Neue Staatsgalerie Stuttgart wird nach viereinhalb Jahren Bauzeit unter dem Schotten James Stirling eröffnet.

Katastrophen


- 1976 - Ein Seilbahnunglück in Cavalese, Italien, fordert 42 Todesopfer.

Sport


- Einträge im Bereich Formel 1 siehe Formel 1.
- Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden s. u. der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.
- 1984 - Tim Witherspoon gewinnt seinen Box-Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen Greg Page im Convention Center, Las Vegas, durch einen Punktsieg

Geboren


- 1285 - Go-Nijo, 94. Kaiser von Japan
- 1451 - Amerigo Vespucci, italienischer Seefahrer und Entdecker
- 1697 - Friederike Caroline Neuber, deutsche Schauspielerin
- 1734 - Francisco Bayeu y Subías, spanischer Maler
- 1749 - Gabriel de Riqueti, comte de Mirabeau, französischer Abgeordneter
- 1750 - Johann Friedrich August Tischbein, deutscher Maler
- 1753 - Jean-Baptiste Kléber, französischer General
- 1758 - Franz Josef Gall, deutscher Arzt und Anatom
- 1777 - Aleksander Orlowski, polnischer Maler
- 1844 - Taras Schewtschenko, ukrainischer Dichter und Maler
- 1845 - Wilhelm Pfeffer, deutscher Botaniker und Pflanzenphysiologe
- 1847 - Martin Marsick, belgischer Violinvirtuose und -lehrer
- 1856 - Edward Goodrich Acheson, US-amerikanischer Chemiker und Techniker
- 1856 - Hermann Iseke, deutscher Dichter im Eichsfeld
- 1859 - Peter Altenberg, österreichischer Schriftsteller
- 1871 - Arthur Fickenscher, US-amerikanischer Komponist
- 1871 - Emil Rosenow, deutscher Schriftsteller
- 1874 - Karl Foerster, Staudenzüchter
- 1877 - Emil Abderhalden, schweizerischer Physiologe
- 1879 - Agnes Miegel, deutsche Dichterin, Schriftstellerin und Journalistin
- 1881 - Enver Pascha, türkischer Militär und Politiker
- 1881 - Ernest Bevin, britischer Politiker
- 1885 - Tamara Platonowa Karsawina, russische Tänzerin
- 1888 - Willy Westra van Holte, niederländischer Fußballspieler
- 1890 - Wjatscheslaw Molotow, sowjetischer Politiker
- 1891 - Hermann Eris Busse, deutscher Schriftsteller
- 1892 - Josef Weinheber, österreichischer Lyriker, Erzähler und Essayist
- 1892 - Victoria Sackville-West, englische Schriftstellerin
- 1893 - Roland Jacobi, ungarischer Tischtennisspieler
- 1894 - Franz Wilhelm Seiwert, Maler und Bildhauer
- 1895 - Isobel Baillie, schottische Sopranistin
- 1895 - Adolf Scheibe, Entwickler der Quarzuhr in Deutschland
- 1900 - Howard Hathaway Aiken, US-amerikanischer Computerpionier
- 1903 - Wage Rudolf Soepratman, Komponist der indonesischen Nationalhymne
- 1907 - Mircea Eliade, US-amerikanischer Religionshistoriker rumänischer Abstammung
- 1910 - Samuel Barber, US-amerikanischer Komponist
- 1914 - Abraham S. Luchins, Professor für Psychologie
- 1917 - Ian Watt, Literaturkritiker und Literaturhistoriker
- 1919 - Lola Müthel, deutsche Schauspielerin
- 1921 - Astor Piazzolla, argentinischer Tango-Musiker
- 1923 - Walter Kohn, US-amerikanischer Physiker österreichischer Abstammung
- 1924 - Peter Scholl-Latour, deutscher Journalist
- 1925 - Billy Ford, US-amerikanischer Sänger
- 1927 - Klaus Dieter Arndt, deutscher SPD-Politiker und MdB
- 1928 - Keely Smith, US-amerikanische Sängerin
- 1928 - Wilhelm Salber, Direktor des Psychologischen Instituts an der Universität Köln
- 1929 - Arnulf Zitelmann, deutscher Autor
- 1930 - Ota Filip, tschechoslowakischer Schriftsteller
- 1930 - Stephen Fumio Hamao, Bischof von Yokohama und Kardinal
- 1932 - Rodolfo Quezada Toruño, Erzbischof Guatemalas und ein Kardinal
- 1933 - Lloyd Price, US-amerikanischer Musiker
- 1934 - Juri Gagarin, russischer Astronaut, erster Mensch im Weltall
- 1936 - Mickey Gilley, US-Amerikanischer Country-Musiker
- 1937 - Olusegan Obasanjo, nigerianischer Militär und Staatschef
- 1942 - John Cale, britischer Artrock-Musiker mit klassischer Ausbildung
- 1943 - Jaap Schilder, niederländischer Musiker
- 1943 - Jeff Warner, US-amerikanischer Sänger
- 1943 - Robert James Fischer, US-amerikanischer Schachspieler und -weltmeister
- 1943 - Wolf Singer, Direktor des Max-Planck-Institutes für Hirnforschung
- 1944 - John Lee, australischer Sänger
- 1944 - Mark Lindsay, US-amerikanischer Sänger
- 1945 - Katja Ebstein, deutsche Sängerin
- 1945 - Robin Trower, britischer Musiker
- 1946 - Bernard Dowiyogo, Präsident von Nauru
- 1946 - Bernd Hölzenbein, deutscher Fußballspieler
- 1946 - Jim Cregan, britischer Musiker
- 1947 - Keri Hulme, neuseeländische Schriftstellerin
- 1948 - Jimmy Fadden, US-amerikanischer Musiker
- 1949 - Trevor Burton, britischer Musiker
- 1951 - Zakir Hussain, indischer Musiker
- 1953 - Anna Henkel-Grönemeyer, deutsche Schauspielerin
- 1954 - Christian Eberl, deutscher Politiker
- 1955 - Ornella Muti, italienische Schauspielerin
- 1958 - Martin David Fry, britischer Sänger
- 1958 - Corinna Kirchhoff, deutsche Schauspielerin
- 1959 - Giovanni di Lorenzo, deutsch-italienischer Journalist
- 1963 - Artur Auernhammer, deutscher Politiker
- 1964 - Juliette Binoche, französische Schauspielerin
- 1970 - Hilmi Sözer, deutsch-türkischer Schauspieler und Kommödiant
- 1974 - Marte Huke, norwegische Lyrikerin
- 1975 - Roy Makaay, niederländischer Fußballspieler
- 1976 - Anier Garcia, kubanischer Leichathlet
- 1980 - Chingy, US-amerikanischer Musiker
- 1981 - Nikki Blond, ungarische Pornodarstellerin

Gestorben


- 1009 - Bruno von Querfurt, Missionar in Polen und Preußen, Märtyrer
- 1249 - Siegfried III. von Eppstein, Erzbischof von Mainz
- 1463 - Katharina von Bologna, Vorsteherin des Klarissenklosters in Bologna
- 1537 - Quirin op dem Veld von Willich, Weihbischof in Köln
- 1551 - Andreas Kritzmann, Büchsenmeister in Magdeburg
- 1661 - Jules Mazarin, französischer Kardinal und Politiker italienischer Abstammung
- 1707 - Jean II. d'Estrées, Marschall und Admiral von Frankreich
- 1824 - Anna Katharina Emmerick, deutsche Nonne und Mystikerin
- 1831 - Friedrich Maximilian Klinger, deutscher Dramatiker
- 1847 - Mary Anning, wird als eine der ersten Paläontologinnen betrachtet
- 1851 - Hans Christian Ørsted, dänischer Physiker und Chemiker
- 1857 - Domenico Savio, Schüler bei Don Bosco
- 1870 - Theodore Labarre, französischer Harfenvirtuose und Komponist
- 1888 - Wilhelm I. (Deutsches Reich), deutscher Kaiser und König von Preußen
- 1889 - Paolo Ferrari, italienischer Lustspieldichter
- 1891 - Amalie Dietrich, deutsche Botanikerin, Zoologin
- 1895 - Leopold von Sacher-Masoch, österreichischer Schriftsteller
- 1918 - Frank Wedekind, deutscher Schriftsteller und Schauspieler
- 1933 - Joakim Frederik Skovgaard, dänischer Maler, Grafiker und Keramiker
- 1936 - Sri Yukteswar, indischer Yogi und Guru
- 1943 - Otto Freundlich, deutscher Maler und Bildhauer
- 1949 - Charles Bennett, britischer Leichtathlet und Olympiasieger
- 1952 - Alexandra Michailowna Kollontai, russische Revolutionärin, Diplomatin und Schriftstellerin
- 1952 - Eberhard Wildermuth, deutscher Politiker
- 1954 - Clara Westhoff, Bildhauerin
- 1954 - Eva Ahnert-Rohlfs, deutsche Astronomin
- 1954 - Walter Braunfels, deutscher Komponist
- 1955 - Matthew Henson, US-amerikanischer Polarforscher
- 1955 - Monique Saint-Hélier, Schweizer Schriftstellerin
- 1963 - Werner Beumelburg, deutscher Journalist und Schriftsteller
- 1964 - Paul von Lettow-Vorbeck, preußischer Generalmajor und Schriftsteller
- 1969 - Charles Brackett, US-amerikanischer Drehbuchautor
- 1969 - Walter Christaller, deutscher Geograf
- 1971 - Karl Knaths, US-amerikanischer Maler
- 1971 - Kirellos VI., Patriarch von Alexandria
- 1974 - Earl Wilbur Sutherland, US-amerikanischer Physiologe (Nobelpreis für Medizin)
- 1979 - Jean-Marie Villot, Kardinal und Camerlengo der katholischen Kirche
- 1980 - Olga Konstantinowna Tschechowa, deutsche Schauspielerin russischer Herkunft
- 1980 - Olga Tschechowa, deutsche Schauspielerin
- 1981 - Max Delbrück, US-amerikanischer Biologe, Nobelpreisträger
- 1983 - Ulf von Euler, schwedischer Mediziner und Neurochemiker
- 1984 - Imogen Holst, englische Musikschriftstellerin, Komponistin und Dirigentin
- 1986 - Walter Bader, deutscher Archäologe und Denkmalschützer
- 1988 - Kurt Georg Kiesinger, deutscher Politiker und Bundeskanzler
- 1989 - Robert Mapplethorpe, US-amerikanischer Fotograf
- 1992 - Menachem Begin, israelischer Politiker und Regierungschef
- 1993 - Cyril Northcote Parkinson, britischer Historiker und Publizist
- 1993 - Max August Zorn, US-amerikanischer Professor der Mathematik
- 1994 - Charles Bukowski, US-amerikanischer Dichter und Schriftsteller
- 1994 - Fernando Rey, spanischer Schauspieler
- 1994 - Wilhelm Brese, deutscher Politiker
- 1996 - George Burns, US-amerikanischer Schauspieler und Sänger
- 1997 - Christopher Wallace alias The Notorious B.I.G., US-amerikanischer Hip Hop-Musiker
- 1997 - Vera Ferra-Mikura, österreichische Kinder- und Jugendbuchautorin
- 1998 - Ulrich Schamoni, deutscher Filmregisseur und Schriftsteller
- 2003 - Bernard Dowiyogo, nauruischer Politiker
- 2003 - Konrad Buchwald, deutscher Botaniker und Politiker
- 2003 - Stan Brakhage, US-amerikanischer Filmregisseur
- 2005 - Benno Hoffmann, deutscher Schauspieler und Synchronsprecher
- 2005 - Chris LeDoux, US-amerikanischer Country-Musiker
- 2005 - Kurt Lotz, Vorsitzender des Volkswagenkonzerns

Feier- und Gedenktage


- Kirchliche Gedenktage
  - Hl. Bruno von Querfurt, Bischof, Glaubensbote in Polen und Preußen, Märtyrer (katholisch, evangelisch)
  - Hl. Franziska von Rom, Ordensgründerin, Mystikerin (katholisch)
  - Hl. Katharina von Bologna, Äbtissin, Mystikerin (katholisch)

Siehe auch


- 8. März - 10. März
- 9. Februar - 9. April
- Historische Jahrestage - Zeitskala
- Wikipedia:Glaskugel - Wikipedia:Formatvorlage Tag 0309 ja:3月9日 ko:3월 9일 simple:March 9 th:9 มีนาคม

Reformation

Die Reformation (v. lat.: reformatio = Umgestaltung), ist eine Bewegung im Christentum des 16. Jahrhunderts, in deren Verlauf es zur Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche und zur Entstehung der reformierten, lutherischen und anglikanischen Kirchen sowie einiger Freikirchen kam. Die gemeinsame Grundlage sehen die ersten beiden Strömungen in der Rückbesinnung auf die Bibel und der Abkehr von bestimmten Auswüchsen der katholischen Kirche. Eine Trennung von der Römisch-Katholischen Kirche war zunächst nicht die Absicht der Reformatoren. Die re-Formation ("Wieder-Formierung") sollte die ursprüngliche christliche Lehre in der katholischen Kirche wiederherstellen.

Ausgangssituation

Die Reformation entstand nicht an einem Ort durch einen Menschen - es gab verschiedene Zentren und verschiedene Reformatoren, die von unterschiedlichen Voraussetzungen her kamen und in unterschiedlichen politischen Verhältnissen arbeiteten. Eine Vielzahl von Faktoren bereitete zu Beginn des 16. Jahrhunderts den Nährboden für die Reformation
- Deutschland war kein Zentralstaat wie z.B. Frankreich oder England. Es existierten viele geistliche und weltliche Fürstentümer unterschiedlichster Größe. Die Kurfürsten wählten den Kaiser. Daneben stellten die Reichsstände wesentliche Machtfaktoren dar. Deren Versammlung, der Reichstag sollte im Zuge der Reformation immer wieder eine wichtige Rolle spielen.
- Deutscher Kaiser war Karl V. Seine Verpflichtungen in Spanien, Italien, den Niederlanden und Burgund und seine Kriege mit Frankreich führten nicht selten zu seiner Abwesenheit vom Deutschen Reich und beanspruchten seine volle Aufmerksamkeit.
- In Folge der Konzile von Pisa und Konstanz war das Schisma der abendländischen Kirche beendet worden. Obwohl die Lehren John Wyclifs und Jan Hus' verworfen wurden, kam es durch die Konzile zur Aufstellung umfangreicher Reformprogramme. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts konnte der Papst seine Position gegenüber dem Konziliarismus ausbauen. Bestehende Reformbeschlüsse wurden abgeschwächt.
- Verschiedene Steuern, Gebühren und Abgaben flossen in die päpstlichen Kassen. Diese wurden von vielen Fürsten als zu hoch empfunden. Die Praxis des Ablasshandels stand zunehmend in der Kritik.
- Das Erscheinen der Frühreformatoren im Mittelalter: z.B. Jan Hus, John Wyclif, Petrus Waldes
- Die Philosophie der Renaissance: Erasmus von Rotterdam, die Vorstellung Wilhelm von Ockhams zur Trennung von Kirche und Staat.
- Die Übersetzung der Bibel ins Deutsche durch Martin Luther.
- Das seit Johannes Gutenberg wachsende Buchdruckerhandwerk begünstigte die Verbreitung neuer Ideen. Die Auseinandersetzung mit den bestehenden Strukturen hatte dabei zunächst den Charakter eines wissenschaftlichen Disputes der Theologischen Fakultäten; die Disputationen der mittelalterlichen Universitäten trugen wesentlich zur Differenzierung, Festigung und Ausbreitung der reformatorischen Gedanken bei. Schnell wurden auch die Möglichkeiten des Buchdruckes genutzt. Viele Reformatoren veröffentlichten Streitschriften in hoher Auflage. Lucas Cranach der Ältere illustrierte meisterhaft die Streitschriften Luthers und Philipp Melanchthons.

Der lutherische Ansatz

Der Augustinermönch Martin Luther litt und rang damit, sich Gottes Gnade durch eigene Anstrengungen verdienen zu müssen, bis er im Bibelstudium Römer 3, 28 entdeckte: So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. Die oft in den Vordergrund gerückten Mißstände der Römisch-Katholischen Kirche waren für Luther nicht der Auslöser der Reformation. Sein Problem war allein theologischer Natur. Seine Verwerfung des sich in Deutschland durch den Prediger Tetzel verbreitenden Ablasshandels und vieler anderer Traditionen der Kirche war die für ihn notwendige Folge seiner Auslegung der bereits von Paulus diskutierten Gerechtigkeit allein aus Glauben (Römer 1, 17: Denn im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus Glauben zum Glauben, wie es in der Schrift heißt: Der aus Glauben Gerechte wird leben.)

Grundgedanken

Die wesentlichen Punkte der Reformation, die auch heute noch gemeinsamer Nenner der protestantischen Kirchen sind, werden oft mit dem vierfachen "allein ..." ausgedrückt:
- sola scriptura - allein die Schrift ist die Grundlage des christlichen Glaubens, nicht die Tradition
- solus Christus - allein Christus, nicht die Kirche, hat Autorität über Gläubige
- sola gratia - allein durch die Gnade Gottes wird der Mensch errettet, nicht durch eigenes Tun
- sola fide - allein durch den Glauben wird der Mensch gerechtfertigt, nicht durch gute Werke

Bibelübersetzungen

Luthers Bibelübersetzung war ebenfalls grundlegend und neu. Die zu seiner Zeit verbreiteten Bibelübersetzungen fußten auf der Vulgata, der von Hieronymus geschaffenen lateinischen Bibel, die ihrerseits auf der griechischen Septuaginta beruhte (Altes Testament). Die ursprünglich hebräischen und aramäischen Texte des Alten Testamentes hatten also mindestens drei Übersetzungsvorgänge, die des Neuen Testamentes zwei hinter sich, bevor sie in Deutscher Sprache zu lesen waren. Luther bemühte sich um direktere Übersetzungen aus dem Hebräischen bzw. Griechischen. Dabei bediente er sich einer volkstümlichen und verständlichen Sprache, die für lange Zeit zum Maßstab deutscher Bibelübersetzungen wurde.

Kritik an bestehenden Traditionen

Dabei gibt es zwei Ansätze:
- Luther unterzog die Traditionen der Kirche einer strengen Überprüfung. Messlatte war der Text der Bibel. Traditionen, die nach seiner Meinung der Schrift zuwider liefen, wurden abgeschafft. Er trat aber dafür ein, Traditionen, die nicht direkt auf der Bibel fußten, aber hilfreich für das Leben der Gläubigen waren, beizubehalten. So sprach sich Luther aus didaktischen Gründen gegen ein Bilderverbot in der Kirche aus.
- Ulrich Zwingli und Johannes Calvin lehnten alle Traditionen ab, die nicht in der Bibel begründet sind. Daher haben die reformierten Kirchen nüchterne Gotteshäuser, die höchstens mit Bibelsprüchen dekoriert sind; die Kirchenstruktur ist synodal, presbyterianisch oder kongregationalistisch strukturiert (ohne Bischof), Zwingli lehnte zeitweilig sogar Instrumentalmusik in der Kirche ab. Das Abendmahl ist eine Gedenkfeier. Beiden Richtungen gemeinsam war die massive Kritik am Papsttum. Zugrunde liegt wieder ein theologisches Problem. Die Sonderstellung des römischen Bischofs wird traditionell begründet mit Matthäus 16,18 (Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.) Christus bezeichnet Petrus als Fundament der Kirche. Petrus wird später Bischof von Rom. Das wird als Einsetzung des Papstes durch Christus ausgelegt. Dieser wiederum hat stellvertretend für Christus die Vollmacht, weitere Priester zu ernennen. Dem stellt Luther Matthäus 18,19 gegenüber, wo die Gemeinde Christi als Versammlung von mindestens zwei Menschen unter dem Namen Christi definiert wird. In Verbindung mit Kapitel 12 des 1. Korintherbrief wird die Vorstellung vom Laienpriestertum entwickelt. Der Pfarrer ist dann nicht mehr Nachfolger des von Christus eingesetzten Petrus, sondern das Glied der Gemeinde, das es am besten versteht, die Aufgaben des Pfarrers, wie Predigt und Seelsorge, wahrzunehmen. Dieses Gemeindemitglied hat seine Sonderstellung nicht aufgrund seiner Weihe sondern aufgrund seiner Ausbildung.

Neue Gottesdienstordnungen

Verschiedene Reformatoren (Thomas Müntzer mit der ersten deutschsprachigen Gottesdienstordnung 1523, auch Karlstadt oder Luther) bemühten sich um die Schaffung von Gottesdienstordnungen in der Landessprache. Diese ersetzten in den protestantischen Gebieten zunehmend die Liturgie der lateinischen Messe. Im Zentrum dieser Ordnungen standen Schriftlesung und Predigt (Wortgottesdienst). Die deutsche Bibelübersetzung ermöglichte es jedem Gemeindemitglied, die Auslegung des Pfarrers (Predigt) mit dem Wort der Bibel zu vergleichen.

Unmittelbare politische Entwicklungen

Die Grundlagen der Reformation waren im Gegensatz zu späteren Interpretationen nicht die politischen und sozialen Missstände der Kirche. Diese waren lediglich der Nährboden für die neuen theologischen Gedanken der Reformatoren. Luther versuchte zuerst ein theologisches Problem zu lösen. Die protestantischen Reichsfürsten hingegen versuchten mit der Reformation einige ihrer politischen Probleme mit Kaiser und Papst zu lösen. Zum theologischen Ringen um die richtige Auslegung der Bibel traten auch bald politische Aspekte hinzu. Die neuen Gedanken gaben den Reichsfürsten eine theologische Begründung, die von Rom auferlegte Abgabenlast reduzieren zu können. Das Entstehen der protestantischen Landeskirchen stärkte ebenfalls die Autonomie der Fürstentümer. Bedeutende protestantische Territorien im Deutschen Reich waren Hessen, die Pfalz, Sachsen und Württemberg. Es kam in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu verschiedenen Kriegen zwischen Katholiken und Protestanten innerhalb von Deutschland und der Schweiz, die in Deutschland 1555 mit dem Augsburger Religionsfrieden und in der Schweiz 1531 mit dem 2. Landfrieden von Kappel endeten. Bei beiden kam es auf "cuius regio, eius religio" (wessen Land, dessen Glaube) heraus. In Deutschland bestimmte der jeweilige Fürst die Konfession seines Landes, in den Schweizer Kantonen die jeweiligen republikanischen Regierungen.

Die radikalen Ansätze

Für radikale Reformatoren wie Thomas Müntzer, Andreas Bodenstein von Karlstadt, Menno Simons oder Jakob Hutter stand die Zeit unter apokalyptischen Vorzeichen. Sie deuteten die Ereignisse spiritualistisch und sahen ihre Aufgabe darin, dem in ihren Augen real hereinbrechenden Reich Gottes als einer endzeitlichen Herrschaft der Gerechtigkeit die Bahn zu ebnen. Sie suchten enthusiastisch die Schaffung endzeitlicher Strukturen. Die Gemeinden sollten aus, in wahrhaftigem Glauben, Getauften bestehen (Täufer), sie wirkten bis in die politischen Strukturen hinein und kehrten die sozialen und politischen Verhältnisse teilweise revolutionär um (Deutscher Bauernkrieg). Dies stieß nicht nur auf Seiten der sozialen Oberschicht und der katholischen Kirche auf heftigen Widerstand. Auch die Protestanten mit Luther an der Spitze riefen zur gewaltsamen Beendigung der Unruhen auf. Mit Waffengewalt bereiteten die fürstlichen Truppen den Aufständen ein Ende - die Täufer fanden erst als Auswanderer in Amerika religiöse Freiheit (Puritaner).

Die Reformation in England

Die Reformation in England wurde vor allem aus politischen Gründen ausgelöst. Allerdings hatten Theologen auch aus eigenen Gründen die Schriften und das Wirken von Martin Luther, Johannes Calvin, und Ulrich Zwingli mit Interesse verfolgt, und es kam vielen von ihnen nicht ungelegen, dass sich nun mehr die Gelegenheit bot, bestimmte Prinzipien, die vormals von Rom verboten waren, auch in England anwenden zu dürfen. So hatte es z.B. Versuche gegeben, die Bibel in englischer Sprache zu verbreiten (siehe John Wycliffe, William Tyndale). Diese endeten auch unter Heinrich VIII. mit der Hinrichtung des Übersetzers. Erst unter Edward VI. wurden größere Reformen (z.B. das erste Book of Common Prayer) eingeführt. Mit seinem Tod wurde England unter der "blutigen Maria" wieder gewaltsam zur römischen Lehre zurückgeführt, aber mit der Nachfolge von Elisabeth I. auf dem Thron wurde die Anglikanische Kirche endgültig in England etabliert. Siehe hierzu: Geschichte der Anglikanischen Kirche.

Reaktion der katholischen Kirche

Die katholische Kirche versuchte zuerst zu überzeugen, dann verlegte sie sich auf politischen und kirchlichen Druck. Luther musste fliehen und überlebte nur durch fürstlichen Schutz. Zwingli gelang es, den Rat von Zürich von der Richtigkeit seiner Lehre zu überzeugen. Die Ideen der Reformation breiteten sich wie ein Lauffeuer aus - die Bevölkerung strömte zum neuen Glauben, Reichsstädte und Fürsten gingen auf die Seite der Reformation über. Der damalige Kaiser Karl V. blieb katholisch, konnte sich jedoch nicht auf die Niederschlagung der Reformation konzentrieren, da ihn die Außenpolitik stark beanspruchte (Türkei, Frankreich). In der Folge leitete der von Ignatius von Loyola gegründete Orden der Jesuiten die Gegenreformation ein.

Ausbreitung in Europa

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts kam eine zweite Generation von Reformatoren zum Zug. In Genf Calvin, in Zürich Heinrich Bullinger, der als Nachfolger von Ulrich Zwingli der Züricher Kirche vorstand. Deren Beitrag war es, die Reformation theologisch zu konsolidieren - Calvin mit seiner "Institutio", Bullinger mit dem "Zweiten Helvetischen Bekenntnis". Beide übten einen europaweiten Einfluss auf den Protestantismus aus. Aus ihren Lehren geht die Reformierte Kirche hervor. Theologisch wie auch politisch gipfelte die Reformation in den Bekenntnisschriften der protestantischen Kirchen:
- Augsburger Bekenntnis
- Konkordienformel
- Konkordienbuch
- Zweites Helvetisches Bekenntnis

Bedeutung und Folgen der Reformation

Die Reformation war einer der großen Wendepunkte in der Geschichte des Abendlandes. Für die Geschichte des Christentums bedeutete die Reformation den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die von der beinahe vollständigen Allmacht der katholischen Kirche über die ab dem 13. Jahrhundert verstärkt formulierte Kritik an ihr (Averroismus, Jan Hus, John Wyclif,Wilhelm von Ockham) und die Bildung zahlreicher "häretischer" christlicher Glaubensgruppen bis hin zur endgültigen Spaltung der Christenheit führten. Die neu entstandenen Konfessionen konnten sich nach langem Ringen schließlich als gleichberechtigte Kirchen neben der katholischen etablieren. Da die neuen Konfessionen zu stark waren, um dauerhaft unterdrückt werden zu können, waren, obwohl es zahlreiche Rückschläge und sogar Religionskriege gab, beide Seiten auf Dauer zur religiösen Toleranz gezwungen. Die katholische Kirche verlor nicht nur in weiten Teilen Europas an Einfluss, sondern insbesondere auch ihr bis dahin beinahe unantastbares Deutungsmonopol für die Auslegung der Bibel. Die Reformation führte durch den Druck, der durch den schnellen Abfall ganzer Regionen vom Katholizismus verursacht wurde, auch auf katholischer Seite zu Reformen. Zwar wurde die christliche Religion durch die Reformation nicht grundlegend in Frage gestellt, dennoch wurden fundamentale Glaubenssätze und religiöse Praktiken, die jahrhundertelang als unumstößlich galten, erfolgreich von den Reformatoren und ihren Anhängern verworfen. Erstmals hatte sich eine von in der Kirchenhierarchie weitgehend unbedeutenden Personen geäußerte Kritik tatsächlich durchgesetzt. Die Autorität der Kirchen über die Gläubigen wurde zwar zunächst nur teilweise aufgebrochen, dennoch bereitete die Reformation den Weg zum Zeitalter der Aufklärung, in dem das Individuum in seiner persönlichen Freiheit deutlich aufgewertet wurde und in der schließlich selbst atheistische Weltbilder Anerkennung erfuhren, oftmals (wie in Frankreich von Voltaire) sogar zur Doktrin erhoben wurden. Doch die Reformation revolutionierte nicht nur das geistige Leben, sie setzte auch eine gesellschaftspolitische Entwicklung in Gang. Der Staat löste sich von der Bevormundung durch die Kirche, um nun seinerseits im Landesherrentum und Absolutismus die Kirche von sich abhängig zu machen. Doch auch dies stellte nur eine Übergangsphase in einer Entwicklung dar, die in vielen Ländern in die Trennung von Kirche und Staat mündete. Somit wirkte die Reformation weit über die eigentliche Reformationszeit hinaus und bildete einen Wendepunkt hin zur Entwicklung der modernen Gesellschaft der Neuzeit.

Literatur


- Christine Roll (Hrsg.): Recht und Reich im Zeitalter der Reformation. Festschrift für Horst Rabe, Frankfurt/a.M. u.a. 1996, 531 S., ISBN 3-631-47923-9
- Rudolf Stickelberger, Kirchengeschichte für Jedermann, 1969 (Kirchengeschichte mit Schwerpunkt Reformation, etwas Schweiz-lastig, aus reformierter Sicht)
- B. Moeller, Deutschland im Zeitalter der Reformation, (Deutsche Geschichte 4), 1999 ISBN 3-525-33462-1 (die profanhistorische Reihe zeichnet sich durch einen sozialgeschichtlichen Zugang aus)
- Armin Sierszyn, 2000 Jahre Kirchengeschichte, Band 3, Reformation und Gegenreformation, 2000, ISBN 3-7751-3247-3. (umfassende Darstellung, viele Quellenangaben, aus landeskirchlich-evangelikaler Sicht)
- Hans Küng, Das Christentum, 1994, ISBN 3-492-03747-X, Kapitel IV, Das protestantisch-evangelische Paradigma (neuartige Sicht auf die Kirchengeschichte, eher katholisch)
- Carter Lindberg: The European Reformations, 1996, ISBN 1-55786-575-2 (Sehr umfassende Geschichte der Reformation vom Spätmittelalter bis zur Gegenreformation, die sämtliche europäischen Länder mit reformierter Geschichte einschließt - aus amerikanischer Sicht)
- Stefan Zweig: Ein Gewissen gegen die Gewalt: Castellio gegen Calvin, 1936, (Roman)

Siehe auch


- Protestantismus, Reformation und Gegenreformation, Liste der Reformatoren, Marburger Religionsgespräche, Geschichte des Christentums
- Portal:Religion, Portal:Bibel

Weblinks


- [http://www.luther.de/ Martin Luther]
- [http://www.reformiert-online.net:8080/t/de/bildung/grundkurs/gesch/index.jsp Einführung in die Reformierte Geschichte]
- [http://www.calvinianum.de/ Calvinianum]
- [http://www.dieterwunderlich.de/Luther_reformation.htm Martin Luther und die Reformation] ! Kategorie:Christentum Kategorie:Europäische Geschichte Kategorie:Theologie Kategorie:Protestantismus ! Kategorie:Gegenreformation

Abendmahl

Das Abendmahl oder die Eucharistie (je nach Konfession auch heilige Kommunion, Herrenmahl, Altarsakrament, Brotbrechen oder Gedächtnismahl genannt) gehört zusammen mit der Taufe zu den gottesdienstlichen Handlungen, die alle christlichen Kirchen praktizieren. Als Sakrament verstanden, geht dieser Ritus auf das letzte feierliche Mahl Jesu mit seinen Jüngern am Vorabend seines Todes zurück. Dieses Mahl wird im Neuen Testament in verschiedenen Fassungen geschildert und gedeutet, die sich alle auf Jesu stellvertretenden Opfertod beziehen. Die Jerusalemer Urgemeinde feierte das Brotbrechen, das an Jesu Tod und Wiederkunft (Parusie) erinnerte, anfangs täglich in den Häusern der Christen als gemeinsame Sättigungsmahlzeit. Bei diesem sogenannten Liebesmahl (Agapefeier) wurde auch Nahrung an Bedürftige verteilt. Nachdem es dabei in Korinth zu Missständen kam, empfahl Paulus von Tarsus seiner Gemeinde, das gemeinsame "Herrenmahl" im Gottesdienst vom Sättigungsmahl im eigenen Haus zu trennen (1. Kor 11,17-34). Die heutige katholische Eucharistiefeier hat sich erst im ausgehenden Mittelalter voll ausgebildet. Der Protestantismus hat seit dem theologischen Abendmahlsstreit um die Einsetzungsworte Jesu verschiedene Formen entwickelt. Manche Freikirchen feiern das Abendmahl als Liebesmahl. Jede Konfession beruft sich dabei auf bestimmte Aspekte der biblischen Abendmahlsüberlieferung. Freikirche

Biblische Grundlagen

Hebräische Bibel

In der Heiligen Schrift des Judentums, die weitgehend mit dem Alten Testament der Christen identisch ist, hat das gemeinsame Mahl einen hohen Stellenwert. Es ist ein zentrales Element der Gastfreundschaft im ganzen Orient. Wer einen Reisenden empfängt, der dient seinen Bedürfnissen, teilt mit ihm sein Brot und gewährt ihm damit wie einem eigenen Familienmitglied Schutz, Segen und Hilfe (z.B. 1. Mose 18,1-8). Das abendliche häusliche Festmahl im Kreis der ganzen Familie, genannt Seder (deutsch: "Ordnung"), ist auch der Auftakt des einwöchigen Pessachfestes. Es folgt einem genauen Ablauf, der auf 2. Buch Mose 12,3-20 zurückgeht und mit symbolischen Speisen an den Exodus (Auszug) des jüdischen Volkes aus der Sklaverei in Ägypten erinnert: dem Opferlamm, dem ungesäuerten Brot (hebräisch: Mazzen), den Bitterkräutern (Ysop) und Wein. Jeder Familienvater liest die Haggada (Erzählung) vom Auszug, spricht den Segen über die Speisen und verteilt sie dann an die Anwesenden. In der Prophetie Israels ist das gemeinsame Mahl ein häufiges Bild für den endzeitlichen Schalom Gottes mit seinem Volk und den Völkern (Frieden, Heil, Erlösung).

Neues Testament

Das letzte Mahl Jesu wird in den drei synoptischen Evangelien beschrieben:
- Matthäus 26,17-29
- Markus 14,12-26
- Lukas 22,14-20. In allen drei Berichten stehen die sogenannten Einsetzungsworte Jesu im Zentrum. Ihre wohl älteste Fassung bietet Markus (v.22ff): :Und indem sie aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach es und gab es ihnen und sprach: Nehmt, das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des neuen Bundes, das für viele vergossen wird. Wahrlich ich sage euch: Ich werde fortan nicht trinken vom Gewächs des Weinstocks bis zu dem Tag, an dem ich neu trinke im Reich Gottes. Paulus überliefert in 1. Korintherbrief 11,23-26 eine andere Fassung dieser Worte, die er "vom Herrn" empfing und wohl wie das Urcredo (1. Kor 15,3-8) aus der Urgemeinde übernahm: :Der Herr Jesus in der Nacht, als er verraten wurde, nahm er das Brot, dankte und brach es und sprach: Nehmt, esst, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches tut zu meinem Gedächtnis. Ebenso nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; solches tut, so oft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn so oft ihr von diesem Brot esst und von diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr des Herrn Tod, bis er kommt. An der Stelle, wo die Synoptiker vom letzten Mahl Jesu berichten, steht im Johannesevangelium die Szene der Fußwaschung:
- Joh 13,1-20. Sie wird gefolgt von einer Brotausteilung Jesu an Judas Iskariot, die dessen Verrat einleitet:
- Joh 13,21-30. Hinzu kommen Texte in den Evangelien, die ein gemeinsames Mahl Jesu mit verschiedenen Gruppen des jüdischen Volkes beschreiben und oft auf das Abendmahl bezogen werden:
- Mk 2,15-17: Jesus hält die Tischgemeinschaft mit seinen Jüngern und vielen Zöllnern und Sündern, die nach damaliger Tora-Auslegung als "unrein" galten. Er weist die Toralehrer, die daran Anstoß nehmen, auf den besonderen Charakter seiner Sendung hin: :Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten. Das Wunder einer Massenspeisung existiert in mehreren, literarisch voneinander abhängigen Versionen. In allen geschieht die Austeilung der Nahrung analog zum Abendmahl:
- Mk 6,35-44/Joh 6,1-14: Speisung der 5.000 mit fünf Broten und zwei Fischen.
- Mk 8,1-9/Mt 15,32-37: Speisung der 4.000 mit sieben Broten und wenigen Fischen. Einige Ostertexte der Evangelien verbinden eine Erscheinung des Auferstandenen mit einem Mahl mit seinen Jüngern:
- Lk 24,13-35: Die Emmausjünger erkennen Jesus erst, als er das Brot brach.
- Joh 21,1-13: Jesus offenbart sich sieben seiner Jünger am See Genezareth und hält mit ihnen das Mahl. Das Brotbrechen in der Urgemeinde und die Abendmahlspraxis in Korinth beschreiben
- Apostelgeschichte 2,42 und 2,46 und
- 1. Kor 10 und 11.

Die Motive des Abendmahls und ihre Bedeutung

Seit den Forschungen von Joachim Jeremias (Die Abendmahlsworte Jesu, 1. Auflage 1935) nimmt man an, dass hinter den Berichten der Synoptiker und des Paulus eine Urform stand, die auf Jesus selbst zurückgeht und nach seinem Tod in der Gottesdienst-Liturgie der Jerusalemer Urgemeinde ausgeprägt wurde. Sie enthielt gemeinsame Motive der Mahlberichte:
- Jesu Abendmahl fand im Rahmen eines Passahmahls statt. Die Jünger werden zum Zubereiten des Passahlamms (2. Mose 12,3-6) an vorherbestimmtem Ort in der Hauptstadt gesandt (Mk 14,12-16). Damit steht das Mahl unter dem Vorzeichen der Erinnerung an Gottes Befreiungstat für sein Volk Israel.
- Zur Rahmenhandlung gehört zudem der Verrat des Judas Iskariot, mit dem Jesu Passion beginnt.
- Jesus übernahm die Rolle des jüdischen Hausvaters, der den ungesäuerten Brotfladen (Mazzen) in die Hand nimmt, Gott dafür dankt - wahrscheinlich mit dem jüdischen Lobspruch zu Beginn jeder Mahlzeit: "Gepriesen bist Du, der das Brot aus der Erde wachsen lässt" - , es in Stücke bricht und diese den Anwesenden herumreicht.
- Der Kelch mit Wein entsprach dem ersten Segensbecher bei einem Passahmahl, der gegen Ende der Mahlzeit gereicht wurde.
- Während sie aßen und tranken, deutete Jesus das Geschehen. Brot- und Kelchwort waren wahrscheinlich wie in 1. Kor 11 annähernd parallel gebaut und als direkte Anrede an die Essenden formuliert: ::Das ist mein Leib - für euch gegeben. Das ist mein Blut - für die Vielen vergossen.
- "Leib" (griechisch soma, aramäisch guph) steht für die ganze Person: Eine Trennung von Körper und Seele war dem Judentum fremd. "Blutvergießen" weist auf Jesu bevorstehenden Tod hin, der - wie das Blut des Passahlamms, mit dem die Israeliten die Türpfosten bestrichen - das Volk Israel, hier vertreten durch die zwölf Jünger, und darüberhinaus "viele" aus Gottes Zorngericht retten soll.
- Der "neue Bund", der in Jesu Sterben begründet ist, ist keine Ablösung des ersten "alten" Bundes Gottes mit seinem Volk, sondern dessen endgültige Bekräftigung - gerade weil er über diesen hinausgeht. So wurde auch der Sinaibund mit dem Blut des Opfertieres besiegelt (2. Mose 24,8). Der Prophet Jeremia versprach dem Volk Israel nach der Zerstörung des ersten Tempels seine Erneuerung (Jer 31). Für die Urchristen war Jesu Tod die Erfüllung dieser Verheißung (Hebr 8,8-12). Indem Gott durch ihn auch den Völkern Anteil am Heil schenkte, wurde Israels Hoffnung auf Frieden mit den Völkern neu begründet.
- "(dahin)gegeben" ist eine feste liturgische Redewendung: Das griechische Verb paradidonai steht für das hebräische Wort für "ausliefern" und erinnert an Jesu Leidensankündigungen (Mk 9,31 par.): :Der Menschensohn wird [von Gott] in die Hände der Menschen ausgeliefert werden. Der "Menschensohn" erinnert an die apokalyptische Heilserwartung des Buches Daniel vom Kommen des Menschenähnlichen nach dem Endgericht über die Gewaltimperien (Dan 7,13f). Aber zugleich widersprach Jesus dieser Erwartung: Der Menschensohn werde selbst das Endgericht erleiden und so zum "Lösegeld für die Vielen" (Mk 10,45) werden.
- "Für Viele" meint im Aramäischen "die Vielzahl" als Gesamtheit aller Menschen. Der Ausdruck spielt auf die im Alten Testament einzigartige Verheißung vom stellvertretenden Sühneleiden des "Gottesknechts" an (Jesaja 53; v.11f).
- Darum wurden Brot- und Kelchwort "für euch gegeben" von den Urchristen schon bald mit dem Bekenntnis beantwortet: "dahingegeben um unserer Übertretung willen" (Röm 4,26), "gestorben für unsere Sünden gemäß der Schrift" (1. Kor 15,3). Das letzte Mahl Jesu begründete die nachösterliche Sinndeutung seines Todes. An allen Stellen des Neuen Testaments, die eine Wortverbindung mit "für euch" (gegeben/gelitten/gestorben/geschlachtet) enthalten, ist der stellvertretende Gerichtstod Jesu gemeint.
- Hinzu kommt bei Markus der endzeitliche Schwur: "Wahrlich ich sage euch..." Damit stellte Jesus sein bevorstehendes Leiden und Sterben in die Perspektive der kommenden Gottesherrschaft. Die erhoffte Befreiung aus der Sklaverei sollte also nicht auf das Volk Israel begrenzt bleiben, sondern alle Völker und die ganze Schöpfung einschließen. Der Abschied Jesu von seinen Jüngern ist endgültig, aber er enthält Hoffnung über den Tod hinaus: Weil er für sie starb, ist ihnen allen - auch dem Verräter Judas! - die Sünde schon vergeben, die kommende Verwandlung der Welt schon geschenkt und gewiss.
- Die paulinische Version betont das Wiederholungsmotiv: "Solches tut, so oft ihr trinket, zu meinem Gedächtnis." Im Gedenken an sein letztes Mahl ist Jesus fortan gegenwärtig unter seinen Nachfolgern.

Unterschiede der verschiedenen Einsetzungstexte

Gottesherrschaft Die verschiedenen Abendmahlsberichte des Neuen Testaments setzen jeweils besondere theologische Akzente:
- Bei Markus steht das Kelchwort im Mittelpunkt und damit die heilstiftende Wirkung des vergossenen Blutes Jesu ("der neue Bund in meinem Blut").
- Matthäus hebt hervor, dass Jesu Blut